HfG Karlsruhe, Fachbereich Kommunikationsdesign, im Seminar Visualising Neuroscience.
Das Bild der Laborratte mit ihrem erleuchteten Haupt erinnert an die Minerva als Sinnbild der Aufklärung. Aber natürlich auch an die Heiligen- oder Madonnenbilder. Der Heiligenschein, Strahlenkranz und Sonnenkrone, steht für zweierlei – als Kreis ist er das Ganze und das Heil, darum das Heilige, geradeso, wie die Sonne schon in der Antike für den Kosmos stand; Als Strahl erleuchtet er die Welt und vermittelt das Göttliche.
War das Licht einst göttlich, so sind es heute „Wir“, die Menschen, „die uns vornehmen, Licht in die Dinge zu bringen und das Dunkel zu erhellen“, und zwar im Zuge der Aufklärung und der anbrechenden bürgerlichen Gesellschaft.
Licht, Sehen und Erkennen stehen in einem unmittelbaren Zusammenhang. Theorie kommt von altgr. theorein, beobachten, betrachten, (an)schauen. Erkennen lässt sich dabei nur, was nicht im Dunkel verborgen ist.
Foucaults Gefängnis-Panopticon beschreibt denn Kontrolle durch einen allumfassenden Blick. Es ist die Geschichte der Entwicklung der Disziplin und Disziplinierung, gleichzeitig mit der der bürgerlichen Gesellschaft, im 19. Jahrhundert, es geht um den Zusammenhang von Überwachen und Strafen. Mehr noch, Otto Dix' Bilder beschreiben das Licht vielmehr der militärischen Aufklärung oder des Zusammenhangs von Aufklärung, Licht und Krieg. Sehen ohne gesehen zu werden ist ein taktischer Vorteil. Für die Nutzbarmachung des ehemals göttlichen Lichts in der bürgerlichen Naturbeherrschung stehen denn Laser designator und Optogenetics. Hierzu gehören auch die sog. bildgebenden Verfahren, mit deren Hilfe die Wirkungsweise der Optogenetics bildlich dargestellt wird.
Gleichwohl, dem Schlafenden und Träumenden, mithin dem Melancholiker, dem Wahnsinnigen und Umnachteten, offenbaren sich ungeahnte Einsichten (vgl. Mystik von myein, Augen schließen). Der Philosoph, der aus der Höhle tritt, wird erst einmal von der Sonne geblendet. Das für die Melancholie lange gebräuchliche Symbol des Dunklen Sterns oder der Schwarzen Sonne ist paradox. Jeder Stern ist eine Sonne, jeder Stern scheint und strahlt, und wie ließe sich ein solches dunkles Licht denken. Im Lichte der Melancholie scheint die andere Wahrheit auf.
Wenn Adorno sagt: „Der Zauber hat überlebt als Macht der aufleuchtenden Dinge über die Menschen“, so mag er vom Fetischismus sprechen. In der Ideologie erscheinen (!) die Dinge nicht als die, die sie sind. Gesellschaftliche Verhältnisse werden verdinglicht. Der Zauber hat überlebt als Warenfetischismus.
Es ist im Ganzen der Versuch einer kleinen Kulturgeschichte des Lichts, und dazu gehört, die Projektion als Licht selbst sichtbar zu machen, wie sich die Farbkanäle im Laufe des Videos kontinuierlich verschieben.